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Özlem Piskin im Interview

Interview

»Es muss ins Herz treffen«


KV: Herzlichen Glückwunsch zum zweiten Platz beim »wel.come future«-Award, Frau Piskin!

Özlem Piskin: Vielen Dank, mir kommt es immer noch wie ein Traum vor. Dass ich mit diesem Projekt einen Preis gewonnen habe, ist einfach zu schön, um wahr zu sein!

Wie entstand Ihre Idee, einen Radiosender für Kinder mit Migrationshintergrund zu entwickeln?

Ich arbeite in einem sozial schwachen Gebiet mit Familien aus dem Ausland, dort erfahre ich täglich, wie missverstanden sich die Kinder unter anderem von ihren Lehrern fühlen. So entstand die Idee, Integration über das Radio zu kommunizieren. Ich denke, dass das Radio - ob klassisch oder via Internet - das ideale Medium ist, um Menschen zu erreichen, vor allem Kinder. Sei es nebenbei als Berieselung oder durch bewusstes Zuhören, zum Beispiel bei Reportagen oder Wissenssendungen.

Wo setzt das Programm an?


Mein Traum wäre, einen Sender mit einem kompletten Tagesprogramm zu gründen - für Kinder und Jugendliche, mit Themen, die spielerisch das Thema Integration behandeln. Beispielsweise mit einfachen Kochrezepten für die Kleinen und Reportagen über andere Kulturkreise für die Älteren. Dabei möchte ich mich aber auf keinen Fall auf Kinder aus Migrantenfamilien beschränken, im Gegenteil: Auch deutsche Kinder und deren Familien sollen angesprochen werden. Damit es möglichst oft gehört wird, muss es natürlich zunächst publik gemacht werden. Zu Beginn wird das wahrscheinlich über Mund-zu-Mund-Propaganda laufen, aber mein Ziel ist es, ein Programmheft herauszubringen. Hier setze ich auf die Kíndergärten und Schulen, die die Kinder gezielt auf meinen Sender hinweisen oder sogar mit dem Programm arbeiten. Das wäre ein weiterer Beitrag zur Integration. Wichtig ist aber vor allem eines: es muss bei den Leuten sozusagen ankommen, es muss ins Herz treffen!

Das heißt, Sie setzen auch auf die pädagogische Wirkung des Programms, um die Kommunikation zwischen jungen Migranten und jungen Deutschen zu verbessern?


Ja, unbedingt! Ein Vorbild ist die »Sendung mit der Maus«, in deren Vorspann die Themen der Folgen auf deutsch und in einer anderen Sprache vorgestellt werden. Übertragen auf das Radio wäre also eine Sendung denkbar, in der die Kinder ihren Wortschatz erweitern können. Verschiedene Begriffe werden auf deutsch erklärt und danach erfahren die Kinder, was diese Begriffe auf türkisch, vietnamesisch oder französisch bedeuten. Man kann mit den Wörtern spielen, Kindern so Gemeinsamkeiten ihrer Kulturen vermitteln und sie direkt miteinander kommunizieren lassen. Aber auch Themen aus anderen Bereichen stelle ich mir vor - von gesunder Ernährung bis zu Basteltipps. Im Grunde sollen die Zuhörer sich fühlen wie in einer großen harmonischen Familie, quasi wie in der Cosby-Show!

In welcher Phase befindet sich Ihr Projekt aktuell?

Seit meiner Bewerbung für den »wel.come future«-Award habe ich meine Idee noch nicht weiterentwickeln können. Das liegt daran, dass ich momentan noch alleine daran arbeite und keine Medienvertreter direkt angesprochen habe. Die nächsten Schritte wären die, dass ich mich um eine entsprechende Plattform kümmern muss - entweder im Internet oder bei einem etablierten Radiosender. Außerdem benötige ich zur Realisierung noch Leute vom Fach, die wissen, wie Radio »gemacht«, sprich produziert wird. Außerdem würde ich gern, wenn sich das Programm etabliert hat, eine Programmzeitschrift anbieten. Das ist auch journalistisches Geschick gefragt. Mein Konzept ist zu Papier gebracht, nur die Umsetzung fehlt. Dafür brauche ich ein gutes Team  - und das kostet Geld!

Meinen Sie, dass es heute Rundfunkanstalten oder Rundfunksender überhaupt gäbe, die Ihr Projekt aufgreifen würden?

Ja, davon bin ich überzeugt. Ich würde denen gerne meine Idee präsentieren. Vielleicht besteht ja auch die Möglichkeit, sich für eine Sendung bei einem Sender einzuklinken. Ich kann den Programmdirektoren ja einmal eine Kopie meiner Urkunde (vom »wel.come future«-Award, d.V.) schicken (lacht). Wenn mir ein Sender sagen würde: »Frau Piskin, Ihre Idee ist super, wir würden Ihnen die Möglichkeit geben, zwei Stunden Programm zu machen«, dann hätte sich die Arbeit an meinem Konzept gelohnt. Der entscheidende Punkt ist doch der: ich habe die Idee, aber um sie zu realisieren, fehlt noch der letzte Schritt.

Denken wir uns weiter zu diesem letzten Schritt: Wie würden Sie das Programm strukturieren und bekannt machen?

Nun, ich plane für bestimmte Altersgruppen eigene Kanäle. Für Kinder im Vorschulalter, für Sechs- bis Siebenjährige, für Acht- bis Neunjährige und darüber. Um dem Anspruch der Integration gerecht zu werden, sollte mein Programm bei den verantwortlichen Stellen beworben werden, die mit Migranten arbeiten und sich um deren aktive Integration bemühen, die Integrationsbeauftragten einer Stadt oder private Initiativen zum Besipiel. Diese weisen die örtlichen Behörden auf das Programm meines Senders hin, die wiederum den neu angekommenen Migranten den Sender ans Herz legen. Kinder - und ihre Familien - bekommen so eine aktive Form von Integration geboten, die darüber hinaus Spaß macht. Ein Programm-Mix aus Musik, Geschichten und Informationen spricht alle Menschen an.

Sie kamen vorhin auf die Finanzierung Ihres Programms zu sprechen. Angenommen, Ihr Traum vom eigenen Sender wird Wirklichkeit: Wie stehen Sie einer Finanzierung durch Werbeelemente gegenüber?

Das sehe ich nicht als Problem. Wichtig ist nur, dass die Werbung zum Programm passt. Kindgerecht sollte sie sein und auch inhaltlich auf die Sendungen abgestimmt. Spots, in denen für Milch, Obst oder Zahnpflege geworben wird, könnte ich mir vorstellen. Aber wie ich bereits sagte - zum Einstieg sind einige Investitionen notwendig und da wäre eine Kooperation mit einem bestehenden Sender wünschenswert.

Frau Piskin, wir danken Ihnen herzlich für dieses Gespräch!


Wenn Sie Interesse an weiteren Informationen zum Radioprojekt haben oder mit Özlem Piskin direkt in Kontakt treten möchten, zögern Sie bitte nicht, eine E-Mail an info@kv-bremen.de  zu schreiben. Wir vermitteln Ihre Anfrage gerne weiter.



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